Niemand kann 500 Kursverläufe gleichzeitig im Auge behalten. Ein Index löst das: Er fasst viele Aktien zu einem einzigen Korb zusammen und drückt deren gemeinsame Bewegung als eine Zahl aus. Steigt der Korb, steigt der Index. Bevor wir über Gewichtung und Handel sprechen, klären wir, was diese eine Zahl überhaupt bedeutet — und was sie ausdrücklich nicht ist.
Ein Aktienindex ist eine berechnete Kennzahl, die den Kursverlauf einer festgelegten Gruppe von Wertpapieren zusammenfasst. Statt 40 oder 500 Einzelkurse zu verfolgen, liest man einen einzigen Stand — und sieht auf einen Blick, ob „der Markt" heute steigt oder fällt.
Ein Index (lat. index = Anzeiger) misst die durchschnittliche Wertentwicklung eines Korbs aus Aktien. Er ist eine relative Größe: Sein Wert hat nur im Verhältnis zu einem früheren Stand Bedeutung. „Der DAX steht bei 18.000" sagt für sich genommen wenig — „der DAX ist heute 1,2 % gestiegen" sagt alles.
Der Index gehört niemandem zum direkten Kauf: Man besitzt nie „den DAX", sondern bestenfalls ein Produkt, das ihn nachbildet. Was man kauft, klären wir in Lektion 08. Hier zählt nur: Der Index ist ein Messinstrument, kein Wertpapier.
Indizes gibt es nicht aus Tradition, sondern weil sie drei sehr praktische Probleme lösen — für Anleger, für Profis und für den ganzen Markt.
Eine einzige Zahl zeigt die Stimmung des gesamten Marktes oder einer Region. „Wie war die Börse heute?" beantwortet der Indexstand in Sekunden.
Fonds und Strategien messen sich am Index (Benchmark). Wer den S&P 500 nicht schlägt, hätte ebenso gut den Index kaufen können — günstiger.
Auf Indizes bauen ETFs, Futures und Optionen auf. So lässt sich „der ganze Markt" mit einem einzigen Geschäft kaufen, verkaufen oder absichern.
Ein Index wird in Punkten angegeben, nicht in einer Währung. Die Punktzahl entsteht aus einem frei gewählten Startwert (der „Basis") und entwickelt sich von dort relativ weiter. Entscheidend ist nie der absolute Stand, sondern die prozentuale Veränderung.
Jeder Index startet an einem Stichtag mit einem gesetzten Basiswert — der DAX z. B. am 31. 12. 1987 mit 1.000 Punkten. Steht er heute bei 18.000, hat sich der Korb seither etwa verachtzehnfacht. Die Zahl „18.000" ist also kein Preis, sondern ein Faktor zur Basis.
Zwei Indizes mit völlig verschiedenen Ständen (Dow ~40.000, DAX ~18.000) sind direkt nur über ihre prozentuale Tagesbewegung vergleichbar. „+150 Punkte" bedeutet im Dow etwas ganz anderes als im DAX — „+0,8 %" ist eindeutig.
Vier Aktien bilden einen kleinen Korb. Verschieben Sie die Kurse und beobachten Sie, wie der Indexstand reagiert. Hier zählt jede Aktie noch gleich viel — ein einfacher Durchschnitt. Wie aus diesem Durchschnitt echte Gewichtung wird, ist Thema der nächsten Lektion.
Drei Gedanken, bevor wir zur Gewichtung kommen.
Ein Index bündelt viele Aktien zu einer Zahl. Er ist ein Messinstrument für „den Markt", kein einzelnes Wertpapier, das man besitzt.
Der Stand ist relativ zu einer willkürlichen Basis. Bedeutung hat nur die prozentuale Veränderung — über sie sind Indizes vergleichbar.
Barometer der Stimmung, Maßstab (Benchmark) für Fonds und Grundlage für handelbare Produkte wie ETFs und Futures.